Autor: Michael Kaufmann

Vertrauen ist wichtig; vielleicht sogar das wichtigste!

Das ist uns allen klar. Sowohl im privaten als auch im Business Kontext. Solange alles läuft ist das kein Problem und es fällt und leicht dem Gegenüber alles zuzutrauen.


Aber was wenn sich das Gefühl einschleicht, das etwas nicht stimmt?

Dann kann es ganz schnell gehen und wir sind in einem Teufelskreis gefangen. Etwas geht schief und wir haben das Gefühl genauer hinschauen zu müssen. Dadurch fallen uns viel mehr Dinge auf die wir als kritisch oder nicht perfekt bewerten. Das gibt uns wieder den Impuls mehr kontrollieren zu müssen wodurch wir noch mehr finden mit dem wir nicht glücklich sind.

Das Ende ist absehbar und schrecklich…
In meiner Zeit als Führungskraft hatte ich immer wieder solche Situationen in denen ich in den von Schulz von Thun Institut für Kommunikation genannten Teufelskreis gerutscht bin. Es kann so schnell gehen und schon ist man in einer Watzlawickschen Situation. Der Kollege hat mich heute nicht gegrüßt als ich ihm auf dem Gang begegnet bin (Damals als wir noch in diesen Gebäuden waren die wir Büros nennten). Hoffentlich hab ich nix falsches gesagt im letzten Bereichsmeeting. Der ist bestimmt sauer auf mich. Ich wird dem mal lieber aus dem Weg gehen die nächste Zeit.
Der eben genannte Kollege indes sitzt da und wundert sich warum ich seit Tagen nicht mehr auf unseren Kaffee Plausch vorbei komme und denkt sich mit mir ist etwas und ich bin seltsam, geht darum auf Distanz und mir aus dem Weg…

Was tun wenn wir merken das in so einen Strudel geraten sind?
So ein Teufelskreis will bewusst durchbrochen werden.

Dafür müssen wir ihn aber erst mal wahrnehmen. Die Selbst Reflektion steht also ganz am Anfang. Wir können uns Fragen stellen wie was ist genau geschehen (Sachebene)? Wie habe ich mich dabei gefühlt? Was habe ich dabei gedacht? Was spricht für die Gedanken und Gefühle die ich dabei habe und was dagegen?  
Das sollte mir schon ein wenig Klarheit gebracht haben. Ist der erste Schritt geschafft fällt der Rest dann auch nicht mehr schwer. Der nächste Schritt ist Abstand zur Situation zu bekommen. Die Vogelperspektive einzunehmen und sie aus anderen Perspektiven zu betrachten. Vielleicht sogar aus der Perspektive des Gegenübers.
Und dann geht es an die Veränderung. Was kann ich tun um den Kreis zu durchbrechen? Wie kann ich positiv auf die

Sache drauf schauen?

Ich kann statt er hat mich heute nicht gegrüßt fragen hast du vielleicht Stress? Kann ich Dich unterstützen? Oder schlicht fragen was er braucht.

Und schon habe ich einen total anderen Blick auf die Sache. Schon fährt der Zug genau in die andere Richtung und wir unterstützen uns gegenseitig. Das Gegenüber sieht, dass Du Anteil nimmst und ihm zugewandt bist und kann damit umgehen.

Was machen wir eigentlich den ganzen Tag als Agile Coaches oder Scrum Master?


Anfangs dachte ich, dass die Frage schon hinreichend oft beantwortet und erläutert worden ist.

Es gibt Vorträge dazu und BlogArtikel. Und doch läuft sie mir immer wieder über den Weg.

Erst unlängst wieder. In einem Mentoring bei dem ich mit zwei Scrum Mastern arbeite. Die
beiden haben diese Rolle recht neu inne und so wurde ich gefragt wie denn der
Tag eines Vollzeit Scrum Masters / Agile Coach aussehen könnte.

Hier muss man
wissen, dass sie im Moment noch mehrere Rollen inne haben und zwischen 30% und
50% Zeit für die Agilität aufwenden dürfen.


Als ich mir in der Vorbereitung für die nächste Session überlegte, wie ich die Frage beantworten würde, fiel mir auf das es gar nicht so einfach ist, zu erklären, was wir da eigentlich den ganzen Tag tun.

Klar können wir Überschriften aneinanderreihen wie Methoden und Meetings. Aber beschreibt das wirklich, was den Agile Coach oder Scrum Master ausmacht?


Also habe ich versucht es einfach mal jemanden zu erklären, der bis jetzt noch kaum Kontakt zu agilem Arbeiten hatte und dabei viel über mich und meine Arbeit gelernt.

Wenn wir im Netz schauen, werden uns einige Definitionen angeboten. Meist finden wir so eine Definition oder eine sehr ähnliche:


Der Agile Coach oder Scrum Master berät (coacht)
Gruppen oder Einzelpersonen dabei Methoden und Instrumente zu lehren und leben
und somit anpassungsfähig und selbstlernend zu werden.


Aber ist es das? Ist das alles? Verstehen wir mit
diesem Satz was der Scrum Master oder Coach tut?

Wie würdet ihr erklären was eure Arbeit ausmacht wenn
euer Gegenüber noch nie von Agilität gehört hat?

Der wohlwollende Wochenrückblick

Und schon ist es wieder Freitag! Die Wochen rennen immer so schnell an uns vorbei! Kennst Du diese Momente?

Ich hatte die früher ganz oft. Gefühlt bin ich Montagmorgen auf die Arbeit gegangen und kaum drei Mails später war schon wieder Freitagabend und ich wurde mehrfach ermahnt doch endlich mal zum Essen zu kommen das schon seit geraumer Zeit vor sich hin köchelt…


Wenn meine Tisch Partnerin dann gefragt hat, was ich die ganze Woche gemacht habe, was gerade los ist das meine Zeit so sehr beansprucht und mich dazu bringt mehr als das normale Maß zu leisten konnte ich das oft nicht sagen.
Schlimmer noch; ich konnte damals nicht mal aufzählen was ich geschafft hatte! Meist flüchtete ich mich in Floskeln wie Die Woche war viel Kleinkram oder Das Tagesgeschäft hat mich aufgefressen.


Das konnte und sollte nicht so bleiben! Also habe ich nach einer Methode gesucht mit der ich das ändern konnte. Zu dieser Zeit begann ich mit dem wohlwollenden Wochenrückblick.


Ich sammelte für mich Fragen die ich mir selbst stellen konnte. Schrieb sie auf Spielkarten die ich mit weißem Papier beklebt hatte. Jeden Freitag blockte ich mir eine Stunde Zeit um mich mit diesen Karten zu beschäftigen.
Am Anfang der Stunde wurden die Karten gemischt und drei zufällige gezogen. Die Fragen die darauf standen habe ich für mich in einem Wochentagebuch niedergeschrieben und beantwortet. Wenn ich danach noch Zeit hatte schaute ich entweder dieselben drei Karten noch einmal an.

Dieses Mal mit der Frage Und was noch? Je nach Laune zog ich noch eine weitere Karte dazu und beantwortete diese ebenfalls.

Fragekarten


Hier ein paar Beispiele der Fragen die ich mir gestellt habe:


·        War ich sorgsam mit mir und meinem Körper? Habe ich genügend / in gesunden Maße geschlafen, gegessen, Sport gemacht, getrunken?
·        Habe ich meine Ziele erreicht die ich mir für diese Woche vorgenommen habe?
·        Was ist mir diese Woche gut gelungen?
·        Wann war ich glücklich?
·        Was habe ich gelernt?
·        Wie und worin kann ich verbessern?
·        Worauf bin ich stolz? (Da war es wieder 😉 )
·        Habe ich diese Woche etwas Neues gemacht?
·        Welche Gedanken und Gefühle fordern gerade Raum bei mir?
·        Ist das gut so oder will ich daran etwas ändern?
·        Was hat mir diese Woche Spaß gemacht?

Am Ende hatte ich einiges an Karten zusammen und somit immer wieder einen neuen (Rück-)Blick auf die Woche.

Reflektierst Du auch Deine Wochen?

Auf was bin ich eigentlich stolz?

Ein wichtiger Aspekt bei der Achtsamkeit ist die (Selbst)Reflexion. Ganz bei sich kann nur der sein, der sich selbst bewusst ist.

Für mich funktioniert es sehr gut ein Bullet Journal zu führen. Auf kurz erklärt ist dieses Journal eine Kombination aus ToDo Liste, Tagebuch, Ideenheft, Kalender und allem anderen was zu dir passt bzw. was du brauchst.


Es soll dein Werkzeug sein das Dich unterstützt und nicht ein Dogma das Du sklavisch erfüllen musst. Da gibt es auch kaum richtig und falsch. Es hilft Dir außerdem Ordnung und Struktur in Deinen Alltag und somit Dein Leben zu bringen. Und Du kannst Dir Situationen und Erfolge vergangener Tage wieder vor Augen führen. Wichtig ist nur, dass Du es regelmäßig führst und dran bleibst.


Ich habe mir für den Januar die Themen (Selbst)Sicherheit und Stolz herausgepickt und stelle mir täglich diese drei Fragen:
·        Wann habe ich mich das letzte Mal sicher und Entspannt gefühlt?
·        Wann war ich das letzte Mal stolz?
·        Was habe ich heute, durch mein Handeln erreicht, auf das ich stolz bin?

Das ist ganz schön spannend was dabei herauskommt und mit mir passiert alleine durch das bewusst machen und aufschreiben. Und, man glaubt es kaum, es gibt tatsächlich jeden Tag etwas auf das man stolz sein kann und darf!


Manchmal ist es ein Workshop oder ein Coaching das mir gut gelungen ist oder ein Essen das ich zum ersten Mal gekocht habe. Vielleicht auch der Abschluss einer schwierigen / unliebsamen Arbeit die mich nun nicht mehr verfolgt. Und manchmal ist es einfach nur die Tatsache, dass ich es aus dem Bett geschafft habe und ich mich dem Tag stelle…

Hast Du diese Woche schon etwas erlebt auf das Du stolz sein darfst?

Achtsame Ziele

Das neue Jahr hat ja nun schon einen Bart wie man hier in Karlsruhe sagt. Die guten Vorsätze sind dennoch ein brandaktuelles Thema. Vielleicht gerade weil nun schon wieder einige Tage ins Land gezogen sind.

Ehe man sich versieht sind die guten Vorsätze perdü und die alte Routine hat einen wieder fest im Griff. Mein Kollege Karsten hatte bereits im Emendare Impulsletter gute Vorsätze, aber richtig! über das Thema geschrieben und festgestellt, dass ein Ziel ohne Plan ist nur ein Wunsch ist. Dabei hilft einem das SMART oder das FAST Akronym wie wir dort lernen.


Neben dem technischen Ansatz wie ich Ziele gut definiere ist es auch wichtig das richtige Mindset mitzubringen.

Oft sind wir schon bevor wir begonnen haben mit uns und unseren Emotionen im Unreinen. Vielleicht sind wir wütend über einen Misserfolg aus der Vergangenheit, haben Selbstzweifel ob wir das Vorhaben überhaupt schaffen können oder wir glauben an Hindernisse die uns hemmen.
Vielleicht verlieren wir uns auch darin, alles bis ins kleinste Detail auszumalen und zu planen und vergessen darüber anzufangen und umsetzen.

Es ist wichtig unsere Ziele achtsam anzugehen!

Aber was verstehen wir denn eigentlich unter Achtsamkeit? Den Begriff kennt jeder in den heutigen Tagen. Aber was steckt denn dahinter und wie hilft es uns Ziele zu erreichen?
Achtsamkeit kommt ursprünglich aus dem Buddhismus. Mit ihm wird der Zustand der Geistesgegenwart beschrieben. In diesem hat man sowohl sich (seinem Körper und Geist) als auch seine Umwelt fest im Blick. Ist also ganz bei sich und im hier und jetzt.

Mit Achtsamkeitsübungen können wir die oben genannten Emotionen in Schach halten und uns auf das hier und jetzt konzentrieren. Wir erlangen Klarheit über die Dinge ohne sie zu bewerten. Verhindern damit, dass wir uns in Nebenschauplätzen verlieren. Wir werden damit viel handlungsfähiger!

Ich lade euch ein mit mir zusammen eine geistesgegenwärtige Woche zu beginnen und wünsch euch einen guten Start in diese.

Ich höre was, dass Du nicht sagst

Immer wieder passiert es uns, dass wir etwas sagen wollen und etwas ganz anderes kommt beim Gegenüber an. Das ist gleichsam lästig – wir wollen ja verranden werden – vor allem bietet es Gefahren-potential – denn wenn es zum schlimmsten kommt tritt genau das Gegenteil von dem ein das wir wollen.

Dabei ist es doch so einfach…
Also in der Theorie!

Schulz von Thun kombinierte das zweite Axiom von Paul WatzlawickJede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, wobei Letzterer den Ersteren bestimmt und daher eine Metakommunikation ist.“ weiter und entwickelte das Vier Seiten Modell oder das Vier Ohren Modell der Kommunikationspsychologie.
Eine Nachricht kann demzufolge unter vier Aspekten oder Ebenen beschrieben werden:

  • Sachinhalt
  • Selbstkundgabe
  • Beziehung
  • Appell

Diese Ebenen bezeichnet man als die „vier Seiten einer Nachricht“ .

Sachinhalt

Bei dieser Ebene spricht man von der Faktenebene. Der Hörende benutzt die Informationen um zu entscheiden, ob die übermittelte Nachricht wahr oder falsch und wichtig oder unwichtig ist. Hier wird die Entscheidung getroffen, was er mit den vermittelten Informationen tut.

Selbstkundgabe

Völlig egal was man sagt zeigt man mit dem Gesagten immer etwas über sich selbst. Dies können Gefühle, Meinungen, Wertvorstellungen oder Bedürfnisse sein. Meist findet diese Selbstkundgabe nicht bewusst statt; dem Übermittler ist nicht bewusst was er gerade über sich preis gibt.

Beziehung

Wie stehe ich zu Dir? Wie Du zu mir?
Darum geht es auf dieser Ebene. Welche Beziehung haben Sender und Empfänger zueinander. Lächelt der Sender, mag er den Empfänger wahrscheinlich, Verzieht er das Gesicht , findet er ihn nervig und wenn das Gespräch mit einem Augenaufschlag begonnen wird, könnte es ein Flirt sein.

Der Empfänger wird, wissentlich oder nicht, das Gesagte in den Kontext der Beziehung setzen. Diese Perspektive beeinflusst dass Gesagte unweigerlich. Rückschlüsse dazu werden gezogen, wie der Sender zu ihm steht. Je nach Situation kann er sich zum Beispiel wertgeschätzt oder angegriffen fühlen.

Appell

Hier geht es um den eigentlichen Grund des Gesagten. Die Nachricht soll eine Form von  Einfluss auf den Empfänger nehmen um zum Beispiel dafür zu sorgen, dass dieser den Wunsch des Senders erfüllt.

Egal was man auch anstellen mag, in allem was man sagt sind alle vier Ebenen enthalten.
Dies bedeutet jedoch nicht automatisch, dass der Empfänger alle vier Ebenen wahrnimmt. Schulz von Thun spricht davon, dass jeder Mensch ein Lieblingsohr hat. Auf diesem hört er besonders gut. Es ist darauf trainiert bzw. geübt darin auf diesem Ohr zu hören.

Das Essens Beispiel

Ein Mann ist bei einer Kollegin zum Essen eingeladen.

Er: „Die Soße schmeckt anders als bei uns zuhause.“

Was er sagt:
Sachinhalt:Die Soße schmeckt anders als bei uns zuhause.“
Selbstkundgabe:Die Soße schmeckt mir besonders gut.“
Beziehung:Ich finde Deine Kochkünste super.
Appel:Du darfst gerne öfter für mich kochen!

Was verstanden werden könnte:
Sachinhalt:Die Soße schmeckt anders als bei uns zuhause.“
Selbstkundgabe:Die Soße schmeckt mir überhaupt nicht.
Beziehung:Schade, dass Du nicht kochen kannst.
Appel:In Zukunft gehen wir lieber Essen!

Das Garten Beispiel

Ein Frau sitzt mit ihrem Mann im Garten .

Sie: „Es ist es heiß.“

Was sie sagt:
Sachinhalt:Es ist es heiß.“
Selbstkundgabe:Ich sorge mich um Dich da Du doch die Hitze nicht so gut verträgst.
Beziehung:Ich mache mir Sorgen, dass Du einen Hitzschlag bekommst.
Appel:Lass uns rein gehen und ein Eis essen!

Was verstanden werden könnte:
Sachinhalt:Es ist es heiß.“
Selbstkundgabe:Ich habe keine Lust mehr im Garten zu sitzen.
Beziehung:Immer geht es nach Deinen Kopf – was mit mir ist, ist Dir egal.
Appel:Ich will ins Schwimmbad!

Missverständnisse vermeiden indem wir mit vier Ohren hören?

Lediglich auf der Sachebene verstehen Sender und Empfänger die selbe Botschaft. Alle anderen Ebenen bieten Nährboden für Missverständnisse. Der Empfänger muss die vier Seiten der Nachricht erst einmal wahrnehmen und interpretieren. Wie gewichtet der Sprecher beispielsweise die Beziehungsseite? Gewichtet der Empfänger die Seite gleich hoch? Oder ist ihm zum Beispiel die Selbstkundgabe wichtiger? Dann kann es passieren, dass eine Nachricht falsch interpretiert wird. 
Es ist weniger sinnvoll immer mit allen Ohren hören zu wollen oder gar zu versuchen alle vier Ohren des Gegenübers bedienen zu wollen.
Vielmehr ist es wichtig sich stets bewusst darüber zu sein, dass es diese Ebenen gibt.

Das Modell im täglichen Leben

Ob zwischen Freunden, Vorgesetzten oder Kollegen, beim Einkauf oder im Schwimmbad kommt es nur allzu leicht zu Missverständnissen. Mit dem Vier Ohren Modell kannst Du deren Auswirkungen jedoch zumindest reduzieren. Diese vier einfachen Regeln können Dir dabei helfen:

  • Kommuniziere einfach, klar und direkt.
  • Verzichte auf Ironie, Sarkasmus und Andeutungen.
  • Teile Deine Wünsche und Bedürfnisse mit. Dein Gegenüber kann weder Gedanken noch Gefühle lesen. Sag was Du brauchst!
  • Wenn Du Dir nicht sicher bist ob die Botschaft richtig angekommen ist: Frag nach!

Erfolgreiche Kommunikation hängt nicht nur vom Sender und vom Empfänger ab. Je Komplexer die Aussage wird desto höher ist die Chance auf Missverständnisse. Dazu kommt erschwerend hinzu, dass Gesprächspartner unterschiedliche Kognitive Fähigkeiten haben können. Die Körpersprache kann unterschiedlich sein und sogar gravierend abweichen wenn die Gesprächspartner aus unterschiedlichen Kulturen stammen. Am Ende spielt die jeweilige Tagesform auch eine nicht unerhebliche Rolle.
Wenn Du beim Morgenkaffee, von Deinem Chef gerügt wurdest, wird alles was er an diesem Tag zu Dir sagt, sicher anders von Dir auf der Beziehungsebene interpretiert, als wenn er Dich mit einem großen Lob empfangen hätte.

Bessere Gespräche mit den Vier Ohren

Das Modell von Schulz von Thun macht deutlich, dass eine Nachricht nicht einfach nur eine Nachricht ist, sondern verschiedene Nachrichten enthält. Wenn wir das stets im Gedächtnis behalten, können wir das Verhalten unserer Mitmenschen besser verstehen.

Sie hilft auch dabei sich von Zeit zu Zeit selbst zu hinterfragen. Bewusster darauf zu achten was man wie sagt aber vor allem wie Du auf Gesagtes reagierst.

Löst das Vier Ohren Modell alle unsere Probleme in der Kommunikation?
Sicher nicht!
Es hilft jedoch dabei zu verstehen wie Kommunikation funktioniert und bietet eine Möglichkeit sachlicher und verständlicher miteinander zu sprechen.

Der Star unter den Methoden?

Den Stern benutze ich wenn es darum geht, dass ein Klient oder ein Team unzufrieden mit einem Meeting, einer Methode oder einer Regel ist. Er dient dazu Weiderstände und fehlende Akzeptanz zu visualisieren. Sind diese einmal identifiziert und für jeden sicht- und greifbar können auch Lösungen gesucht  und angegangen werden. Diese Methode eignet sich besonders gut um Personen und Teams zu unterstützen die sich im Change befinden.

In meinem Beispiel habe ich das wöchentliche Team Jour Fixe genommen um zu verdeutlichen wie der Stern funktioniert. Dia Anzahl der Punkte ist im Beispiel mit 5 gewählt. In der realen Welt können das natürlich weniger oder mehr Punkte in der Liste auftauchen und bearbeitet werden.

Unser Team Jour Fixe findet wöchentlich dienstags um 09:00 Uhr statt mit der Dauer von 1 Stunde. Durch die Umstellung auf agile Arbeitsweisen sind Meetings wie Dailys, Estimations, Plannings und Retrospektiven dazu gekommen. Dadurch werden viele Themen, die vorher im Team Jour Fixe besprochen wurden, in anderen Meetings behandelt.

Immer mehr sieht das Team den Termin als zusätzlichen Ballast der nur noch einen geringen Mehrwert bietet.

Aus diesem Grund haben wir in einer Retrospektive das Team Jure Fixe zum Thema gemacht und geschaut was wir daran verbessern können.

Im ersten Schritt wurden die Dinge gesammelt, die uns störten. Dabei ist es wichtig, dass alles auf den Tisch kommt und jeder ehrlich seine Meinung sagt. Das ganze natürlich unter den Abmachungen die für Feedback gelten. Also Ich-Botschaften, beschreibend im Gegensatz zu bewertend, wertschätzend, etc…

Hier kam heraus, dass das Team Jour Fixe zu lange dauert, es wenig Mehrwert bietet, einigen Mitarbeitern zu früh ist, das Intervall (1x / Woche) als zu häufig empfunden wird und einige Mitarbeiter lieber ihr Backlog abarbeiten würden als diesen Termin wahrzunehmen…

Das war erstmal ein ganz schön heftiges Ergebnis für mich. Wenn ich ehrlich bin, hat mich das schon erschreckt. In meiner kleinen Welt war das Meeting gut wie es war und hatte sich über Jahre bewährt und nun fanden es alle doof. Ohje…

Schauen wir uns doch mal die Gründe an:

  • In den Agilen Meetings wie Daily & Retrospektive wurden viele Themen bereits besprochen, die wir früher im Team Jour Fixe abgehandelt hatten.
  • In Planning, Estimation und Refinement wurden die meisten fachlichen Fragen geklärt.
  • Aus den beiden vorangegangenen Gründen wurde das Team JF als zu lange und zu häufig wahrgenommen.
  • Die beiden neuen Mitarbeiter waren, im Gegensatz zu der „alten“ Truppe nicht ausgewiesene Frühaufsteher und kamen nicht so gut damit klar, morgens um 09:00 Uhr schon Meetings zu haben.

Also sooo schlimm war es dann doch nicht. Puh…

Vor allem konnten wir recht schnell durch das transparent machen der Themen überlegen was wir unternehmen konnten.

Innerhalb von wenigen Minuten hatten wir für jede Zacke des Sterns eine Lösung beschlossen mit der Auflage, dass wir in 2 Monaten nochmal auf die Veränderungen schauen um zu sehen ob sie auch wirklich geholfen haben.

Unser neues Team Jour Fixe war nun jeden zweiten Dienstag, von 11:00 Uhr – 11:30 Uhr mit der Option, dass wir es absagen wenn es keine Themen gibt. Um dies festzustellen haben wir uns eine Agenda gebaut in die jeder Themen eintragen darf wenn er eines hat.

Es wurde also wirklich nur noch ein Team JF abgehalten wenn auch wirklich etwas zu verkünden oder besprechen da war.

Zusätzlich haben wir einen Punkt mit ins Planning aufgenommen in dem darauf geschaut wird, dass der einzelne Mitarbeiter nicht zu viele Themen gleichzeitig bearbeiten muss.

Wie oben schon gesagt,  der Stern kann auf sie meisten Fragestellungen angewendet werden und hilft durch Transparenz bei der Verbesserung von Meetings und Methoden. Ich wünsche euch viel Spass & Erfolg damit

Loslassen tut nicht weh – im Gegenteil!

Jeder hat so eine Sache, oder auch gerne mal zwei, über die er sich wunderbar aufregen kann. Bei mir waren es die Mülltonnen. Doch das hat sich heute geändert. Dafür gab es Freudentränen am Frühstückstisch, gesäumt von einem anhaltenden Lachen über mehrere Minuten.

Viel besser kann doch so ein Sonntag gar nicht starten.

Aber von Anfang an:
Wie schon gesagt sind die Mülltonnen bei mir ein echtes Reizthema gewesen. Dazu muss man wissen, dass ich im Hochparterre wohne. Meine Küche zeigt zum Hinterhof hinaus. Und wer hätte es gedacht, dort stehen die Mülltonnen.
Das wäre an sich jetzt erstmal nicht tragisch wenn da nicht noch die Randbedingungen dazu kämen.
Zum einen haben wir viele Tonnen. Für ein Acht-Parteien Haus sogar sehr viele. Wir haben fünf blaue Tonnen (für Papier und Pappe), fünf rote (für Wertstoffe), eine grüne (für Biomüll) und 2 schwarze für den Restmüll. Also 13 Tonnen für 12 Leute.
Das wäre ja erstmal egal, es zeigt jedoch, dass bei uns recht viel produziert wird. Dementsprechend sind die Tonnen sehr gut besucht.
Das wurde nicht besser zu Corona Zeiten. Oh nein! Teilweise lagen eine zweistellige Anzahl an 120 Liter Säcken neben den überlaufenden Tonnen.
Das lag zum einen daran, dass die Müllabfuhr nicht mehr regelmäßig kam, zum anderen aber, wurde auch viel mehr bestellt als vorher.
Wenn es dann wenigstens mit dem trennen klappen würde…
Aber auch das schaffen wir nicht; in unserem ehrenwerten Haus. 🙁

Und dann kam das Homeoffice über mich!
Ich saß also den ganzen Tag an meinem Küchentisch. Auf meinem Küchensofa und hatte einen Logenplatz auf die Mülltonnen.
Der eine oder andere wird sich schon denken kommen was jetzt kommt:

Ich mutierte zum Nachbarschafts-Polizisten!

Ohje war das schlimm. Jedes Mal wenn ich das Geräusch der Mülltonnendeckel hörte zuckte ich zusammen. Sofort schaute ich wer was wann wie und vor allem wo (also in welche Tonne) in den Müll warf.
Und bei jedem Mal wenn es wieder schepperte ging es mir durch Mark und Bein. Ich hatte sofort schlechte Laune und wäre am liebsten auf meinen Balkon gesaust und hätte meinen Nachbarn erklärt was sie gerade falsch machen! Zum Glück mache ich so etwas nicht und konnte es auch in der „heißen“ Phase sein lassen *puh*
Das ging schon soweit, dass der Onlineversandhändler meiner Wahl, mir Kissen zum ans Fenster setzen und Leute beobachten vorgeschlagen hatte… 😉

Das schlimme an der Sache war, dass mir das alles so überhaupt nicht entspricht. Das bin ich nicht. Und darüber bin ich auch sehr froh. Aber es war da.
Ich bin da so reingerutscht und und hab es nicht mal gemerkt.
Von Mal zu Mal bekam ich schlechtere Laune. „Was machen die da mit meinen Tonnen?!“ und „schon wieder einer der…“ waren Gedanken die mir durch den Kopf schossen.

Realisiert hab ich das alles überhaupt nicht. Ich hatte einfach schlechte Laune und war brummelig sobald ich aus meiner Küche in meinen schönen Hof schaute.
Sonst bin ich ein richtiger Küchenhocker. Nicht umsonst habe ich Sofas in meiner Küche. Bis auf Herd und Spülmaschine ist sie mehr ein zweites Wohnzimmer als eine Kochstelle. Ich mag meinen Ausblick und finde es dort heimelig und gemütlich.

Das war alles weg!

Heute Morgen, beim Frühstück saß ich wieder einmal mit Blick auf die Armada unserer Tonnen und es kam wie es kommen musste. Ein Nachbar brachte seinen Müll raus! *dramatische Musik*


Es schepperte just in dem Moment als ich über das Zitat von Ernst Ferstel „Die Kunst eines erfüllten Lebens ist die Kunst des Lassens: Zulassen, Weglassen, Loslassen.“ gestolpert bin.

Wenn das mal kein Zeichen war. Und plötzlich wurde mir klar, dass der einzige Grund, warum es mir nicht gut geht mit der ganzen Sache, aus mir selbst kommt!
Ich mache mir schlechte Laune!
Ich lasse zu, das es mich runter zieht!
und noch besser:

Ich muss das gar nicht!

Im ersten Moment war ich richtig geschockt von dieser Klarheit. Und dann fing ich an zu lachen. Laut und lange! Bis mir die Freudentränen über die Backen liefen.

Ich selbst kann entscheiden, was mir gute und was mir schlechte Laune macht. Das ist doch mal ein tolles Gefühl!

Löst das die eigentlichen Probleme? Sicher nicht! Es sind immer noch zu viele Tonnen, es ist immer noch viel zu viel Müll und das mit dem trennen läuft immer noch nicht wirklich gut.
Aber das würde es auch nicht wenn ich mich ärgere.

Ich kann meinen Blick auf die Sache ändern und es mir erlauben, dass es mir besser geht.
Und das tue ich jetzt! Solltet ihr auch mal versuchen. Es lohnt sich!

Michael Kaufmann

Was macht uns zum Proknastinator?

Warum ist das so, dass man sich teilweise ewig vor Aufgaben drückt?

Ich hatte seit Monaten meine Steuer zu machen und immer sind mir „Dinge“ eingefallen die wichtiger waren.

Und dabei ist es ja gar nicht schlimm!

  • Zum einen habe ich einen Steuerberater und muss es lediglich vorbereiten.
  • Zum anderen bekomme ich ja Geld und muss keines bringen.  

Und dennoch rutschte es immer wieder aus dem Fokus. Was macht mich zum Proknastinator?

Aufschieberitis also Prokrastination , nennt man (unnötiges) hinausschieben bzw. das Pausieren von Aufgaben, die wir, so oder so, erledigen müssen.

Liegt es daran, dass die Aufgaben zu fade und zu öde sind? Sind wir schlicht zu faul? Ist das diese Nullbockgeneration von der man überall spricht? 😉Oder fühlen wir uns überfordert und haben Angst unsere Komfortzone zu verlassen?

Was genau die Gründe sind weiß ich nicht. Ich für mich habe jedoch einen Weg gefunden besser mit dieser unliebsamen Eigenschaft umzugehen und meine Aufgaben transparent zu verwalten und kontinuierlich abzuarbeiten.

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es! Erich Kästner

Die Magie liegt jedoch darin Babyschritte zu machen. Die scheinbar schlimmen Aufgaben verlieren somit ihren Schrecken da man, alles in kleine, leicht verdauliche Häppchen, eingeteilt hat. Für mich ist dies eine hervorragende Methode um aus dem Aufschiebe Spiel herauszukommen.

  • Mache die Aufgaben transparent – ich verwende hierfür mein Peronalkanbanboard – sammle alles was erledigt werden soll. Also schreibe die Aufgaben die Du erledigen willst und / oder musst auf und sammle sie in einem Backlog. Dies ist kein starrer Prozess. Immer wenn Dir neue Aufgaben einfallen zu Dir kommen schreibe diese auf und packe sie in ein Backlog. Dies kann Digital sein, ein Schuhkarton mit Postits oder eine Liste auf einem Block. Das ist ganz egal.
  • Schneide sie in Teilaufgaben mit denen Du zurechtkommst – die Dich nicht zu sehr erschrecken oder zu lange anöden. Mir hilft es dabei sie in S (kürzer als 1h), M (unter 4h) und L (über 4h) einzuordnen. Die kleinen / kurzen Sachen mache ich dann, wenn ich mal zwischendurch Zeit habe. Alles ab M plane ich ein.
  • Achte darauf, dass Du Dir nicht zu viel auf einmal vornimmst. Begrenze Deine Arbeit. Wenn Du zu viele Bälle gleichzeitig in der Luft hast, läufst Du Gefahr Dich zu verzetteln. Das Erfolgserlebnis bleibt aus. Ich versuche immer nur eine Aufgabe gleichzeitig zu bearbeiten, erlaube mir jedoch eine S Aufgabe Zwischendurch zu machen, wenn sichergestellt ist, dass ich sie an einem Stück abschließe.
  • Setze Dir ein Duedate, also ein Fälligkeitsdatum, für jede Aufgabe an dem sie erledigt sein soll. Ich habe mein Due in meinem Backlog welches ich digital verwalte. Die Aufgaben, die ich mir konkret vornehme, sollen innerhalb von zwei Wochen erledigt sein. Alle zwei Wochen, immer sonntags, ziehe ich Aufgaben aus dem Backlog nach. Hierbei achte ich stets darauf, dass ich auch das was ich mir vorgenommen habe schaffen kann. So ein Zweiwochenzyklus ist schneller vorbei als man denkt. Nicht jeden Abend nach der Arbeit hat man Zeit und Muße und manchmal ist man auch von externen Einflüssen abhängig. Der Versanddienstleister liefert das Werkzeug das man braucht verspätet oder das Regal in der Farbe in der man es haben will ist im Moment nicht verfügbar…
  • Arbeite sie ab! Tu Es!
  • Schau von Zeit zu Zeit zurück (Retrospektive) auf das, was Du getan hast und bewerte ob das was Du getan hast, gut ist. Wenn nicht ändere Dein Tun! Am Ende jedes Monats schaue ich über das Erreichte und lasse den letzten Monat Revue passieren. Versuche herauszufinden was gut lief (was muss ich tun um es beizubehalten?) und was nicht so gut lief (wie kann ich es verbessern?) 

Das Schöne an dieser Herangehensweise ist, dass Du einfach beginnen kannst. Auch wenn Du vielleicht noch nicht den perfekten Plan hast.
Im Gegenteil: Ich glaube tatsächlich, dass es manchmal kontraproduktiv ist zu viel Plan zu haben. Dadurch gerät man zu leicht in die Gefahr neue Ideen zu schnell auszusperren.

Das Board habe ich bei mir in der Küche auf den Küchenschränken mit Postits angelegt. So sehe ich es jeden Tag. Habe zum einen eine stetige Erinnerung an das was noch zu tun ist und zum anderen ist der Fortschritt immer sofort sichtbar für mich.

Natürlich gib es solche Boards auch digital und können auf Smartphones, Tablets oder am Rechner benutzt werden.

Zurück zu meiner Steuer:
Da das Jahr jetzt schon (fast) zur Hälfte wieder vorüber ist habe ich das Thema Steuer Anfang des Monats recht hoch Priorisiert in mein Backlog aufgenommen, für dieses Wochenende terminiert, und siehe da – heute erledigt. Gott bin ich stolz!

Michael Kaufmann